BurnOut ist soziales Thema

In der aktuellen Ausgabe von Wirtschaftspsychologie aktuell mit dem Schwerpunkt Strategien gegen Burnout zeigen die Autoren, dass Burnout ein soziales Problem ist. Die einzelne Person ist „nur“ der Symptomträger, die das Problem durch ihren Erschöpfungszustand anzeigt. Dies entspricht genau der systemischen Konzeption.
Maslach und Leiter wiesen schon in den 1990er Jahren in ihren Forschungen zu Burnout darauf hin, dass besonders soziale Aspekte vor Burnout/Erschöpfung schützen und umgekehrt, besonders das Fehlen sozialer Unterstützung in Teams und größeren Organisationen Burnout stark fördern kann. Als relevante Faktoren fanden sie: Arbeitsbelastung (Tempo, Anforderung), Kontrolle (Enscheidungsfreiheit, Autonomie), Belohung (Würdigung der eigenen Arbeit), Gemeinschaft, Fairness & Respekt, Werte (besonders Wertekonflikte).

Somit muss die Frage nach dem Sinn von Maßnahmen gestellt werden, die einzig auf die „Behandlung“ der betroffenen Personen ausgerichtet sind. Vielmehr zeigt sich immer mehr, das das soziale Umfeld betrachtet werden muss – es ist „krank“, wenn es darin Menschen mit Burnout-Symptomen gibt. Da das soziale Umfeld und die Organisation ein wichtiger Rolle dabei spielen:
Was müssen Führungskräfte und die Gestalter der Organisation tun, damit das Unternehmen/Abteilung/etc. im Ganzen gesund bleibt?

Einzelne Menschen einfach auszutauschen ist in den meisten Fällen auch mit Schmerzen für die Abteilung verbunden: Jede MitarbeiterIn ist ein Experte in seinem Arbeitsumfeld und i.d.R. ausgelastet. Er/sie reißt eine Lücke in das Arbeitsgefüge, die eben nicht schnell gefüllt werden kann, weil die genau passenden Fachleute nicht vor der Tür Schlange stehen!

Weiterhin ist, aus dem systemischen Blickwinkel, zu befürchten, dass mit dem „Aussortieren“ des Symptomträgers (Person mit Burnout) das Problem in der Organisation nicht verschwindet und sich bei anderen Kollegen zeigt. Ohne eine Veränderung in der Abteilung/Bereich/etc. bleibt die Unternehmung krank und wird wieder kranke Kollegen hervorbringen. Dies dauerhaft und wirksam zu beheben ist und kann nur durch ein Veränderung von oben nach unten (top-down) erfolgen. Somit ist dies eine Aufgabe und Herausforderung an alle Führungsebenen.

erstellt am: 10.07.2012 von: Jens Heidenreich.    Kategorie(n): Führung, Rezensionen

Eine Antwort zu “BurnOut ist soziales Thema”

  1. Günter Moos sagt:

    Sehr interessanter Artikel mit (zumindest mir) neuen Denkansätzen was das Burnout-Syndrom betrifft.

    Grüße,
    Günter