Einfach abschalten! Einfach abschalten?

Ein-/Auschalter Nokia-HandyWissen Sie, wo der Aus-/Einschalter ihres Handys oder Smartphones ist? Wann haben Sie diesen zuletzt betätigt?

Auch wenn viele Menschen über die ständige Erreichbarkeit, vor allem im Beruf, klagen: Viele schalten nach Feierabend nicht ab, klinken sich nicht zeitweise aus den Kommunikationssträngen aus. Der »gute« Rat von Freunden, Kollegen, Ratgebern, man müsse, schon im Interesse der eigenen Gesundheit, in der Freizeit das Arbeitshandy abschalten, ist gut gemeint. Nur wer tut das so konsequent? Was hindert uns daran »einfach abzuschalten«, so dass sich Unternehmen aufgefordert fühlen, dies für Ihre Mitarbeiter zu tun?

Ich stelle ein paar Überlegungen zu diesem Thema an, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit oder Wahrheit zu erheben.

Die Bedürfnisse des »verbunden seins« mit seinen wichtigen sozialen Netzwerk und Personen. Berufulich wie auch im Privaten, ich bin erreichbar, somit angebunden. Ich existiere und habe eine soziale Identität. Dies kann derjenige nachvollziehen, der einmal aus einem wichtigen Netzwerk herausgeworfen (gekündigt) wurde.

Auch könnten die persönlichen Werte ein Abschalten erschweren. Wenn Unterstützung der eigenen Gruppenmitglieder oder Verlässlichkeit einen hohen Wert darstellen, werden Verstöße dagegen konsequent vom eigenen Wertesystem geahndet: mit Schuld und Scham.

Die eigenen Motivationen können ein »always on« treiben. Wer für Kollegen erreichbar und ständig in den Kommunikationskanälen eingebunden ist, weiß Bescheid, was abläuft und kann eingreifen. Man übt eine Steuerung und Kontrolle aus und kann ein Gefühl der Sicherheit herstellen.

Die Kultur im Unternehmen hat einen großen Einfluss auf das eigene Verhalten. Sie beinhaltet Verhaltensnormen und Werte des Unternehmens dar. Diese sind allermeistens nicht niedergeschrieben, sondern geben durch mündliche Erzählungen, durch Strukturen, Verhalten und Rituale jedem Unternehmensmitglied Auskunft über erwünschtes und unerwünschtes Verhalten. Der Verstoß gegen diese Regeln wird geahndet und selten toleriert.

Diese kurze Übersicht zeigt schon, dass es eben nicht immer einfach ist »einfach abzuschalten«. Es hat Konsequenzen, manche auch schwerwiegend – vorgestellte oder auch schon einmal erfahrene.

Was könnte der Ausweg aus diesen Dilemata sein?

Zum einen eine Reflexion: Wofür ist »always on« für mich wichtig, was ist für mich damit sichergestellt?
In welchen Situation ist abschalten möglich, in welchen ist dies nicht erlaubt und in welchen vielleicht? Denken Sie dabei an konkrete Situationen. In welchen Situationen und Zeiten akzeptiere ich die erwarteten Konsequenzen, weil der Wert der Ruhe mehr wiegt als des angebunden Seins? Wichtig: Nehmen Sie sich dafür Zeit – vielleicht bei einem Spaziergang oder beim Hund ausführen.

Verkünden Sie in dem relevanten Netzwerk, in welchen Situationen sie abschalten werden.
Beginnen Sie mit kleinen Schritten: kurze Zeiträumen abschalten, übersichtliche Situationen nutze. Lieber öfter mal kurz als ab und zu länger abschalten.

Und zum Schluss: Beobachten Sie bei Ihren Experimenten, was bei ihnen und in ihrem Netzwerk passiert.
Auswirkungen? Auswirkungen!

erstellt am: 27.08.2013 von: Jens Heidenreich.    Kategorie(n): Allgemein

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